Wie gefährlich ist Magersucht?

Magersucht ist eine schwere Krankheit, die zu großen körperlichen Schäden und im schlimmsten Fall zum Tod führen kann. Das starke Untergewicht schädigt viele Funktionen des Körpers:

Die Hormonausschüttung in einem magersüchtigen Körper ist gestört. Das kann bei Frauen zu Unfruchtbarkeit, bei Männern zum Verlust ihrer Potenz führen. Bei beiden Geschlechtern leidet die sexuelle Lust und Erregbarkeit sehr stark. Bei den meisten Frauen bleibt die Monatsblutung aus. Sind Kinder vor der Pubertät von Magersucht betroffen, bleibt die körperliche Weiterentwicklung teils aus: Bei Jungen wachsen Hoden und Penis nicht, bei Frauen setzen Brustwachstum und Regelblutung nicht ein. Das Körperwachstum kann frühzeitig beendet sein.

Auch Herz und Kreislauf leiden unter dem zu niedrigen Körpergewicht. Der Blutdruck sinkt, der Herzschlag verlangsamt sich, der Herzmuskel reagiert nicht mehr richtig. Herzrhythmusstörungen entstehen, die im schlimmsten Fall zu einem plötzlichen Herzstillstand führen.


Auch viele weitere Organe und Körperteile können bei Magersucht ihren Dienst nicht mehr vollständig verrichten: Die Knochen werden brüchig, Osteoporose entsteht schon in ganz jungen Jahren. Die Blutbildung kann gestört sein, was zu Blutmangel und verschiedenen Blutkrankheiten führen kann. Die Nieren können versagen, im schlimmsten Fall mit tödlichen Folgen. Häufig ist die Verdauung sehr stark gestört. Das führt zu chronischen Verstopfungen oder Durchfällen, zu Krämpfen und Erbrechen. Magersüchtige sind außerdem deutlich infektanfälliger als Gesunde.

Bis zu 15 Prozent der Magersüchtigen sterben durch Herzstillstand, Infektionen oder Selbstmord. Daher wird Magersucht zu Recht als sehr gefährliche Krankheit betrachtet.

Noch gefährlicher wird Magersucht dadurch, dass sie oft sehr spät erkannt wird. Da sehr viele Frauen (und auch Männer) einem schlanken Schönheitsideal nacheifern, wird das Verhalten bei Magersucht lange nicht als auffällig betrachtet. Die Tatsache, dass viele Essgestörte sehr erfinderisch darin sind, ihr ungewöhnliches Essverhalten zu verschleiern, erschwert das Erkennen zusätzlich. Wenn die Diagnose Magersucht gestellt wird, sind die schädlichen Verhaltensweisen meist schon sehr gefestigt und die Selbstwahrnehmung so stark gestört, dass eine Heilung sich schwierig gestaltet.