Völlegefühl im Bauch

zu viel gegessen

Wichtiger Hinweis: Der nachfolgende Artikel kann einen Besuch beim Arzt NICHT ersetzen! Der Text enthält lediglich allgemeine Informationen, für die keine Richtigkeit garantiert werden kann.

1) Beschreibung des Krankheitsbildes

Völlegefühl, das ist das unangenehme Gefühl in Magen und Darm, als ob man zu viel gegessen, auf gut Deutsch: „sich überfressen“ hätte. Typisch für das Völlegefühl ist ein stark angespannter, aufgeblähter und nach vorne gewölbter Bauch, der sogenannte Blähbauch. Das Völlegefühl gehört zu den Symptomen einer Verdauuungsstörung und wird zumeist von anderen Beschwerden begleitet, unter anderem schnellem Sättigungsgefühl, Schmerzen im Oberbauch, Übelkeit, Blähungen, Erbrechen, unregelmäßigem Stuhlgang, Abneigung gegen bestimmte Lebensmittel, Appetitlosigkeit oder Sodbrennen. Bei einem starken Völlegefühl kann es zudem zu kolikartigen Bauch- und Magenschmerzen sowie Krämpfen kommen.


Das Völlegefühl ist eine natürliche Reaktion des Verdauungssystems auf zu üppige, fettige, süße oder stark blähende Speisen und insoweit unangenehm, aber nicht medizinisch auffällig. Was aber, wenn das Völlegefühl auftritt, ohne dass man zu viel oder falsch gegessen hat? Oder wenn es sogar bei leerem Magen auftritt? Dann sprechen Mediziner von einem pathologischen und demnach behandlungsbedürftigen Völlegefühl. Es kann verschiedene Ursachen haben, die wir Ihnen im Folgenden erklären werden, ist jedoch auf jeden Fall eingehend zu untersuchen und behandlungsbedürftig.

2) Ursachen

Meist hat das Völlegefühl keine krankhafte Ursache, sondern liegt an einer falschen oder zu reichhaltigen Ernährung. Es gibt Lebensmittel, von denen man weiß, dass sie einen Blähbauch verursachen können. Dazu gehören Hülsenfrüchte (Leseempfehlung: Blähbauch durch Hülsenfrüchte), Zwiebeln, insbesondere rohe Zwiebeln, Knoblauch, Zucker und Süßstoffe, frisch gebackenes Vollkornbrot, Kaugummi, Joghurt, eine große Menge Rohkost, Dörrfrüchte wie Rosinen, eine große Menge an Mineralwasser, fettige Croissants, Kohl, verschiedene Kombinationen aus Fett und Eiweiß – zum Beispiel bei Sahne und Kuchen – und Kaffee, vor allem wenn dieser in kurzer zeitlicher Distanz zu Obst und Gemüse genossen wird.



Das sind also die nicht pathologischen Ursachen für den unangenehmen Blähbauch. Was sind nun die Ursachen eines medinzisch auffälligen, behandlungsbedürftigen Völlegefühls?

Meist liegt eine Störung des Verdauungssystems oder der Produktion von Verdauungssaft zugrunde, die bei mehreren Krankheiten auftreten kann:

  • Nahrungsmittelunverträglichkeiten, vor allem Lebensmittelallergien und Laktoseintoleranz
  • Magenschleimhautentzündung
  • Magen- und Zwölffingerdarmgeschwür
  • eine gestörte Darmflora und Pilzinfektionen des Darms
  • die Einnahme von Medikamenten, vor allem Antibiotika
  • Reizmagen und Reizdarm-Syndrom
  • Störungen der Gallensäureproduktion, die bei Bauchspeicheldrüsenentzündung, Bauchspeicheldrüsentumoren und Gallensteinen auftreten können
  • autonome Polyneuropathie bei Diabetes mellitus
  • Fettleber
  • Zwerchfellbruch

Neben diesen Ursachen können bei Frauen auch eine Schwangerschaft oder das prämenstruelle Syndrom ein Völlegefühl auslösen.

3) Ungefähre Dauer der Krankheit/Beschwerden

Es ist schwer, die ungefähre Dauer der Symptome eines Völlegefühls anzugeben, da wir hier zum einen sehr viele sehr unterschiedliche Ursachen unterscheiden müssen und zum anderen die Dauer auch sehr individuell ist. Wir wollen dennoch versuchen, Ihnen einige Anhaltspunkte zu geben.

Nach übermäßigem Essen sollte das Völlegefühl binnen weniger Stunden abklingen. Auf keinen Fall sollten die Symptome länger als 12 Stunden anhalten, auch wenn die Verdauungsprozesse im Körper ungefähr 48 Stunden dauern können.
Besteht ein Blähbauch mit begleitenden Symptomen länger als 24 Stunden oder tritt er häufiger auf, so sollten Sie einen Arzt aufsuchen. Dies spricht für pathologische Ursachen des Völlegefühls und eine Abklärung ist wichtig. Wird die Grunderkrankung behandelt, so sollte sich das Völlegefühl abhängig von den gegebenen Medikamenten und dem einsetzenden Behandlungserfolg recht schnell legen.

4) Vorbeugemöglichkeiten

Leider können Sie dem pathologischen Völlegefühl kaum vorbeugen, da viele der es verursachenden Krankheiten kaum mit präventiven Maßnahmen behandelt werden können.
Daher können sich die folgenden Tipps zur Vermeidung eines Blähbauches nur auf das nicht pathologische Völlegefühl beziehen. Diesem beugen Sie am besten mit gesunder Ernährungs- und Lebensweise vor.

Selbstverständlich sollten Sie bei bekannten Unverträglichkeiten bestimmter Lebensmittel auf diese verzichten, um die unangenehmen Symptome eines Völlegefühls zu vermeiden. Zwar gibt es bei Laktoseintoleranz auch Medikamente zur Vorbeugung, sinnvoller erscheint laut Experten jedoch die Vermeidung von Milchprodukten.

Auch sollten blähende Lebensmittel, Rohkost und sehr fetthaltige oder scharfe Speisen nur in geringen Mengen und langsam verzehrt werden. Zu gegartem Gemüse ist vor allem dann zu raten, wenn Sie zu einem Völlegefühl neigen; es ist überdies grundsätzlich besser verdaulich. Sie wollen aber nicht auf alles verzichten, das schmeckt? Dann würzen Sie blähende Lebensmittel mit Anis oder Kümmel – diese vermindern das Blähungsrisiko – oder trinken Sie vor dem Essen ein Glas stilles Wasser.


Essen sollten sie langsam, gut gekaut und in kleinen Mengen, dafür aber mehrfach am Tag, zu sich nehmen. Dies erleichtert die Verdauungstätigkeit von Magen und Darm und verhindert, dass zu viel Luft in den Darm gelangt.

Bewegung kurbelt ebenfalls die Verdauung an und verhindert somit die Schmerzen und Symptome eines Völlegefühls. Ein kurzer Verdauungsspaziergang nach jedem Essen und sportliche Betätigung helfen bei der Vermeidung von Verdauungsstörungen.

Auch ausreichende Wasserzufuhr an den Körper ist wichtig; mindestens zwei Liter am Tag sollten es sein. Ideal ist stilles Wasser, da dieses keine Kohlensäure oder Zucker enthält. Auch Fencheltee schont den Verdauungstrakt. Koffeinhaltige Getränke und Alkohol sollten Sie vermeiden, da sie den Verdauungstrakt zusätzlich belasten.

Wichtig zur Vermeidung von Verdauungsproblemen jeglicher Art sind auch Ruhe und Entspannung. Stress und Termindruck wirken sich bekanntlich negativ auf den Verdauungstrakt aus, daher sollten Sie versuchen, sich regelmäßig zu entspannen und sich auch im größten Stress ausreichend Zeit zum Essen zu nehmen. Denken Sie immer daran: Besser, Sie nehmen sich jetzt die Zeit zum ruhigen Essen, als dass Sie mit Magen- und Darmbeschwerden aussetzen müssen!

Nun sollten Sie ausreichend über Ursachen und Symptome des Völlegefühls informiert sein, um ihm vorzubeugen, aber auch ein natürliches von einem behandlungsbedürftigen Völlegefühl unterscheiden können. Stellt sich noch die Frage, was man medizinisch, aber auch zu Hause unternehmen kann, wenn das Völlegefühl auftritt. Grundsätzlich hängt die Behandlung des Völlegefühls natürlich von seiner Ursache ab. Im Folgenden wollen wir Ihnen die klassischen Behandlungsmethoden aufzeigen:

Was man tun kann

5) In der Schulmedizin

Zu einem Arzt, idealerweise einem Gastroenterologen, sollten Sie erst bei einem länger oder häufiger auftretenden Völlegefühl gehen. Denn erst dieses ist aus medizinischer Sicht behandlungsbedürftig, zumal die Schulmedizin nur ursachenbezogen behandeln kann.

Der Arzt möchte in einem eingehenden Anamnesegespräch von Ihnen wissen, wann das Völlegefühl auftritt, wie lange es anhält und ob Begleitsymptome vorliegen, um erste Hinweise auf die Ursachen zu erhalten. Geht er von einem krankhaften Völlegefühl aus, so wird er eine Blutanalyse veranlassen und eine Magenspiegelung durchführen. Manchmal wird hierbei auch eine Gewebeprobe oder ein Abstrich entnommen, um die Magenschleimhaut auf Erreger zu untersuchen. Um die Ursache des krankhaften Völlegefühls zu verifizieren, können eine Ultraschalluntersuchung der Bauchspeicheldrüse, eine Computertomografie oder Magnetresonanztomografie (MRT) des Bauchraums oder auch die Endoskopie des Gallengangs nötig werden. Abhängig von der Ursache wird der Arzt eine medikamentöse Behandlung einleiten.

Es gibt auch frei verkäufliche Medikamente, um einem zeitweiligen Völlegefühl entgegenzuwirken; diese sollten jedoch nicht dauerhaft eingesetzt werden.

6) Hausmittel

Einen großen Überblick über die wirksamsten Hausmittel bei Völlegefühl finden Sie hier:

Während die Schulmedizin ursachenbezogen und nur bei pathologischem Völlegefühl greift, sollten Hausmittel nur bei ernährungsbezogenem und kurrzeitigem Blähbauch genutzt werden. In Frage kommen, neben einer Veränderung der Ernährungsweise, folgende Maßnahmen:

  • Die kreisförmige Massage des Bauchraumes unterstützt die Verdauung und beschleunigt das Entweichen der schmerzenden Gase.
  • Krampflösend und entspannend wirkt sich eine Wärmflasche aus. Mehr zur wohltuenden Wirkung von Wärmflaschen: hier.
  • Ein Hausmittel aus der alternativen Medizin ist ein frisch aufgebrühter Tee. Als Inhaltssstoffe eignen sich Fenchel, Kümmel, Anis oder Pfefferminze.
  • Wenn die Schmerzen nicht zu stark sind, sollten Sie sich unbedingt bewegen, um die Verdauung anzukurbeln und die Beschwerden schneller zu lösen.

7) Alternative Medizin

Naturheilkundliche Hilfe sollten Sie sich nur suchen, wenn ernsthafte Ursachen des Völlegefühls ausgeschlossen werden konnten. Ätherische Öle und pflanzliche Bittermittel, beispielsweise Enzian- oder Angelikawurzel, aber auch Fenchel, Anis, Kümmel, Melisse und Koriander können Linderung verschaffen.

8) Chinesische Medizin (TCM)

Ein ausgebildeter TCM-Therapeut behandelt das Völlegefühl ganzheitlich und erst nach einer eingehenden Anamnese und Diagnose von Zungenbelag, Puls und Körperzustand. Individuell werden dann die richtigen Therapieformen, häufig eine Kombination aus Akupunktur, Kräutertherapie und Entspannungsmethoden, besprochen.

Aber: Auch die chinesische Medizin ist bei Völlegefühl mit Vorsicht zu genießen. Erst und nur wenn ernsthafte Erankungen als Ursache ausgeschlossen werden konnten, können Sie versuchen, mit Therapieformen wie Akupunktur, traditioneller chinesischer Medizin oder Homöopathie Linderung zu erhalten.

9) Natürliche Heilmittel

Freilich kann auch schon beim Essen dem späteren Druckgefühl vorgebeugt werden. Denn wer langsam(er) isst und seine Speisen sorgsam kaut, tut seinem Verdauungstrakt und seiner Gesundheit viel Gutes. Unter anderem kann so auch Übergewicht vorgebeugt werden. Denn es dauert eine Weile, bis uns unser Gehirn signalisiert, dass wir schon satt sind!
Falls wir doch mal wieder gesündigt haben (besonders fette Speisen begünstigen ein Völlegefühl!), verschafft auch Kümmel Abhilfe. Viele sehen hier sogar das Gegenmittel der Wahl; unter andere wird Kümmel häufig in Heilmitteltees zusammen mit Anis und Fenchel kombiniert!