Was sind Spasmolytika?

1. Definition

Spasmolytika sind Arzneimittel, die krampflösend auf die glatte Muskulatur im menschlichen Körper wirken (während im Gegensatz dazu Arzneimittel, die den Tonus der gestreiften Muskulatur reduzieren, als Muskelrelaxantien bezeichnet werden).

2. Einteilung

Spasmolytika werden wie folgt aufgeteilt:

1. Neurotope Spasmolytika:
– Sie beeinflussen die Rezeptoren des Nervensystems.

2. Myotrope Spasmolytika:
– Sie wirken direkt auf die glatte Muskulatur ein.


Neurotrope Spasmolytika werden zudem ebenfalls in zwei Gruppen eingeteilt:

1. Parasympatholytika:
– Diese Arzneimittel bewirken eine Hemmung der muskarinergen Acetylcholinrezeptoren (d.h. Rezeptoren für Acetylcholin, die durch Muskarin erregt werden – Acetylcholin ist ein Neurotransmitter, also ein Botenstoff der Nervenzellen, und Muskarin ist ein Pilztoxin).
Dies setzt wiederum die Kontraktionsbereitschaft der glatten Muskulatur herab.
Auf Organe mit einem geringen cholinergen Tonus haben sie nur eine verminderte Auswirkung.

Folgende Arzneimittel zählen u.a. zu den Parasympatholytika:
● Tropicamid
● Ipratropium
● Butylscopolamin
● Pirenzepin
● Atropin

2. Sympathomimetika:
– Sympathomimetika aktivieren das sympathische Nervensystem – also den Sympathikus – indem sie die Adrenorezeptoren (transmembrane Rezeptoren) aktivieren.
Bei Adrenorezeptoren unterscheidet man zwischen α-Rezeptoren und β-Rezeptoren.
Die α-Rezeptoren bewirken eine Kontraktion der glatten Muskulatur im Bronchialsystem, während die β-Rezeptoren dort eine Relaxation veranlassen.

Zu den Arzneimitteln mit der Bezeichnung Sympathomimetika zählen u.a. :
● Clenbuterol
● Salbutamol
● Terbutalin
● Fenoterol


3. Indikation

Spasmolytika haben hauptsächlich folgende Einsatzgebiete:

● Bei Krämpfen im Bronchialsystem (bspw. Asthma, COPD etc.)
● Bei Magen-Darm-Krämpfen im Verdauungssystem
● Bei Nierenkoliken und Reizblase im Bereich der Harnwege
● Bei starken Regelschmerzen im Bereich der Gebärmutter

4. Wirkstoffe & Handelsnamen

Folgende Wirkstoffe zählen zu den Spasmolytika und sind unter folgenden Handelsnamen bekannt:

● Drofenin ( Lunadon® )
● Flavoxat ( Urispas® )
● Scopolaminbutylbromid ( Buscopan® )
● Papaverin ( Spasmosol® )
● Pinaveriumbromid ( Dicetel® )
● Metixen ( Spasmo-Canulase® )
● Mebeverin ( Duspatalin® )
● Metamizol ( Novalgin®, Novalminsulfon®, Minalgin® )

5. Pflanzliche Spasmolytika

Folgende pflanzliche Stoffe haben eine spasmolytische Wirkung:

● Anis
● Fenchel
● Kümmel
● Kamille
● Melisse
● Pestwurz
● Pfefferminze

6. Nebenwirkungen

Wie jedes Arzneimittel können auch Spasmolytika Nebenwirkungen haben.

Zu den Nebenwirkungen der Parasympatholytika zählen u.a.:

● Zentrales Nervensystem: Unruhe oder Müdigkeit, bei Überdosierung Halluzinationen
● Augen: Lichtempfindlichkeit, Akkommodationsstörungen (Akkommodation bezeichnet die Nah- und Ferneinstellung des Auges)
● Magen-Darm-Trakt: Darmatonie (Darmlähmung), verzögerte Darmentleerung
● Herzen: Tachykardie (Herzrasen), Angina Pectoris (anfallartige Brustenge einhergehend mit starken Schmerzen)

Zu den Nebenwirkungen der Sympathomimetika zählen u.a.:

● Atemwege: Bronchialspasmen
● Zentrales Nervensystem: Unruhe
● Muskulatur: Tremor (unwillkürliches Zittern)
● Herz/Kreislauf: Tachykardie, Hypertonie (Bluthochdruck) oder Hypotonie (niedriger Blutdruck)