Was bedeutet Peristaltik?

Mit dem medizinischen Begriff Peristaltik wird die Muskeltätigkeit von Hohlorganen bezeichnet. Beim Menschen zeigen folgende Organe eine Peristaltik:

  • Speiseröhre
  • Magen
  • Darm
  • Harnleiter
  • Eileiter
  • Gebärmutter

Die Peristaltik dient in der Regel dem Weitertransport des Inhalts der Hohlorgane. So wird im Verdauungstrakt der Speisebrei von der Speiseröhre über Magen und Darm bis hin zum Anus transportiert. In den Eileitern werden die Eizellen transportiert und die Peristaltik in der Harnröhre dient der Weiterleitung des Urins.


Die Peristaltik wird von vielen verschiedenen Hormonen und Neurotransmittern beeinflusst. Dazu gehören:

  • Acetylcholin
  • Cholezystokinin
  • Gastrin
  • Galanin
  • Histamin
  • Serotonin

Welche Formen der Peristaltik gibt es?

Bei der propulsiven Peristaltik kontrahiert die glatte Muskulatur durch ringförmige Einschnürungen. Diese Einschnürungen setzen sich unter Einsatz der Längsmuskulatur gezielt in eine Richtung fort und dienen so dem Transport des Inhalts. Bei dieser Peristaltik hat die Muskulatur eine gewisse Eigenrhythmik. Im Darm reagiert sie aber auch auf lokale Reflexe. So löst eine Dehnung des Magens einen peristaltischen Reflex aus. Je mehr der Magen gefüllt ist, desto stärker wird die Peristaltik des Darms. Die propulsive Peristaltik wird auch durch das Nervensystem beeinflusst. Der Parasympathikus fördert die peristaltischen Bewegungen und damit auch die Verdauung. Der Sympathikus hemmt Peristaltik und Verdauung.

Die nicht-propulsive Peristaltik dient nicht dem Transport, sondern der Durchmischung des Inhalts. Diese Form der Peristaltik findet sich ausschließlich im Darm. Auch hier finden ringförmige Kontraktionen statt, diese setzen sich allerdings nicht fort, sondern wirken nur lokal begrenzt.


Bei der retrograden Peristaltik findet ein Transport des Inhalts in die umgekehrte Richtung statt. Beim Menschen dient diese Form der Peristaltik dem Erbrechen. Physiologischerweise ist sie auch im Dickdarm zu finden. Dort kann mithilfe der retrograden Peristaltik der Stuhl gespeichert werden.

Wann ist die Peristaltik verringert?

Wenn der Körper auf Leistung und körperliche Aktivität konzentriert ist, wird die Tätigkeit des Magen-Darm-Trakts weitgehend reduziert. Ursächlich dafür ist meist eine Ausschüttung von Adrenalin. Eine Aktivierung des sympathischen Nervensystems führt ebenfalls zu einer Abnahme der Peristaltik. Der Sympathikus ist der Kampf-und-Flucht-Nerv. Er versetzt den Körper in Alarmbereitschaft. In einer gefährlichen oder stressigen Situation wären Verdauung und Stuhlgang nur hinderlich, deshalb wird die Peristaltik vermindert.

Entzündungen in der Bauchhöhle können die Darmmuskulatur lähmen. Solche Entzündungen können zum Beispiel die Folge einer Eileiterentzündung oder einer Blinddarmentzündung sein. Bei einer vollständigen Lähmung der Darmmuskulatur spricht man von einem paralytischen Ileus. Die Peristaltik kommt komplett zum Erliegen und Speisebrei und Stuhl können im Darm nicht mehr weitertransportiert werden. Ein solcher Darmverschluss ist lebensbedrohend.

Die Gabe verschiedener Medikamente wie beispielsweise Butylscopolaminbromid oder auch die Verabreichung des Hormons Glucagon verringert die Peristaltik ebenfalls.

Wann findet sich eine verstärkte Peristaltik?

In Ruhephasen wird die Darmtätigkeit gefördert. Verantwortlich dafür ist der Ruhenerv, der Parasympathikus. Langsames Spazierengehen kann die Verdauung über eine Anregung der Peristaltik ebenfalls fördern.

Ein mechanischer Verschluss des Darms führt zu einer verstärkten Peristaltik vor dem Hindernis. Diese Form des Darmverschlusses wird auch als mechanischer Ileus bezeichnet. Mögliche Ursachen sind Darmtumore, Morbus Crohn, Gallenstein, Kotsteine, Fremdkörper, Verklebungen oder Darminvaginationen. Genau wie der paralytische Ileus ist auch der mechanische Ileus ein Notfall, der eine sofortige intensivmedizinische Behandlung erfordert.

Koffein und Parasympathikomimetika wie Pyridostigmin regen die Peristaltik ebenfalls an. Pyridostigmin wird vor allem zur Behandlung der Muskelerkrankung Myasthenia gravis eingesetzt.