Milz

Die Milz (lat. lien, griech. splen) war schon früh Objekt anatomischer Forschung verschiedener Kulturen und medizinischer Bemühungen vergangener Jahrtausende. Allerdings erschloss sich ihre tatsächliche Funktion erst relativ spät, zuvor herrschten verschiedene Ansichten über ihren Zweck im Körper vor. So wurde ihr in der traditionellen chinesischen Medizin beispielsweise eine wichtige Rolle bei der Verarbeitung von Nährstoffe zugesprochen.

Lage und Anatomie

Bei der Milz handelt es sich um ein wichtiges Organ des lymphatischen Systems der Säugetiere inklusive des Menschen. Als solches nimmt sie permanent am Blutkreislauf teil. Die Milz befindet sich im unteren Thorax beziehungsweise Oberbauch auf der linken Seite. Dort grenzt sie an die Leber und den Magen sowie einen Teil des Dünndarms. Sie grenzt zudem auf der Oberseite an das Zwerchfell und an der Unterseite an die Niere. Dabei wird sie von der siebten bis neunten Rippe geschützt. Von der den Eingeweiden zugewandten Seite aus ziehen sich die vordere und hintere Bauchfellfalte zum Magen sowie dem Zwerchfell.


Die menschliche Milz ist halbrund geformt und misst etwa 11cm mal 7cm mal 4cm, bei einem Gewicht zwischen 150 und 200 Gramm. Sie weist unterschiedliche Segmente auf:

  • Facies diaphragmatica (Zwerchfellfläche, konvex)
  • Facies visceralis (Eingeweidefläche, konkav)
  • Margo inferior obtusus (trennender Rand, stumpf-breit, dorsal d.h. dem Rücken zugewandt)
  • Margo superior acutus (trennender Rand, scharf-schmal, ventral d.h. dem Bauch zugewandt)

Auf der unteren Seite befindet sich der V-förmige Hilus, der Nerven und Gefäße beinhaltet, wobei die Milz stark durchblutet ist. Sie wird über die Arteria lienalis mit Blut versorgt, das durch die Vena splenica wieder abgeführt wird. Die Milzlymphknoten verbinden das Organ mit dem Lymphsystem und sorgen für den Abfluss der anfallenden Lymphe. Strukturell gesehen ist die Milz in zwei funktional und strukturell unterschiedliche Organteile getrennt, die als weiße und rote Pulpa bezeichnet werden. Beide gemeinsam werden von einem Epithel umgeben, das als Kapsel fungiert und mit der Milz durch Muskelzellen und Bindegewebsfasern verbunden ist.

Bei einem gewissen Anteil aller Menschen kommen neben dem eigentlichen Organ auch kleinere, aus demselben Gewebe bestehende „Nebenmilzen“ vor. Diese befinden sich in der Nähe der Bauchspeicheldrüse, der Milzpforte, des Magens oder einem Teil des Bauchfells. Bei ansonsten gesunden Menschen hat das Vorhandensein von Nebenmilzen keinen Krankheitswert.

Funktionen

Die Milz erfüllt folgende Hauptfunktionen:

  • Vermehrung der Lymphozyten
  • Blutbildung
  • Filterung der Blutzellen

Die als weiße Pulpa (Pulpa alba) bezeichneten Malpighi-Körperchen bestehen aus lymphatischem Gewebe. Sie enthalten sowohl B- als auch T-Lymphozyten, die hier zudem vervielfältigt werden. In ihnen findet die antigeninduzierte Differenzierung statt, die Teil der körpereigenen Immunabwehr ist.

In der roten Pulpa (Pulpa rubra) der Milz, die die weiße Pulpa umschließt, wird das Blut nach alten Erythrozyten (rote Blutkörperchen) gefiltert, die ihre Funktion weniger gut erfüllen können. Da sie im Alter ihre Elastizität verloren haben, bleiben sie im dichten Netz der Milzstränge hängen und können dort von Makrophagen abgebaut werden.

Bei Föten ist die Milz entscheidend an der Blutbildung beteiligt, diese Funktion nimmt bis etwa zum sechsten Lebensjahr stetig ab. In speziellen Fällen kann eine Blutbildung auch bei Erwachsenen vorkommen, zumeist dann, wenn das eigentlich blutbildende Knochenmark geschädigt ist, beispielsweise durch Krebs. Dieser Vorgang nennt sich extramedulläre Hämatopoese.

Erwachsene Menschen können auch nach der Entfernung der Milz weiterleben, jedoch ist es aufgrund ihrer Funktionen möglich, dass es zu Immunschwäche und Infektanfälligkeit kommt. Zudem können diese schwerer verlaufen, auch die Gefahr einer Blutvergiftung ist lebenslang erhöht. Zusätzlich steigt die Wahrscheinlichkeit, ein Blutgerinnsel zu entwickeln, da die Reinigungsfunktion der Milz entfällt.

Erkrankungen der Milz

Infektionen und andere Krankheiten der Milz sind insgesamt gesehen relativ selten. Zu ihnen zählen Milzentzündungen und Milzvergrößerungen. Letztere können verschiedene Ursachen haben, zu denen unterschiedliche viröse oder parasitäre Erkrankungen wie Malaria zählen. Zudem kann es zu nekrotischen Gewebeveränderungen und damit auch zur Gefahr einer Sepsis kommen, wenn Teile der Milz nicht mehr ausreichend mit Blut versorgt werden, dem sogenannten „Milzinfarkt“. Auch Milztumore (oder dort verortete Metastasen) sind möglich, wobei primäre Tumore in der Milz beim Menschen sehr selten vorkommen.

Häufiger und oft auch gefährlicher sind Verletzungen der Milz, als Milzruptur oder Milzriss bezeichnet. Sie können in der Folge stumpfer Traumata wie Tritte, Stürze oder Autounfälle vorkommen, aber auch im Rahmen von Stich- oder Schussverletzungen. Zudem sind Verletzungen durch punktierende Rippenbrüche möglich. Besteht die Vermutung einer derartigen Verletzung, ist eine rasche Abklärung lebensnotwendig, da die Milz stark durchblutet ist und es daher zu einem inneren Verbluten kommen kann.

  • Milzverletzung mit Milzriss (kann zum inneren Verbluten führen)
  • Entzündung der Milz (Splenitis)
  • Milzinfarkt
  • Vergrößerung der Milz (Splenomegalie)
  • Milzzysten, Milzabzesse
  • Metastasenbildung in der Milz
  • Abwehrschwäche durch fehlende oder funktionsunfähige Milz

Die Milz Natürlich stärken

Die Milz spielt weder im Alltagsbewusstsein noch in der Schulmedizin eine wesentliche Rolle. Das mag daran liegen, dass sie selten Probleme bereitet. In der Traditionellen Chinesischen Medizin erfährt sie mehr Achtung. Sie symbolisiert das Element Erde und steht für Verdauung und Umwandlung.

Alle Maßnahmen, die das Immunsystem stärken, unterstützen auch die Milz:

  • regelmäßige und maßvolle Bewegung an der frischen Luft
  • ausreichend Trinken
  • eine gesunde Balance aus Aktivität und Entspannung

Die Sichtweise der Chinesischen Medizin eröffnet weitere Möglichkeiten, um die Milz zu stärken:

  • keine kalten Speisen und Getränke verzehren
  • ausreichend Zeit für Mahlzeiten einplanen und langsam essen
  • auf sehr süße Speisen verzichten
  • den Geist entspannen – Grübeln schwächt die Milzenergie
  • Yoga und Qigong bringen die Energie ins Gleichgewicht und lösen Blockaden – regelmäßiges Üben unterstützt auch die Milz