Aufbau der Bauchmuskulatur

Ein „Sixpack“ sieht gut aus, ist aber meist die Folge einer Menge harter Arbeit. Nicht nur am Strand, sondern auch für die Gesundheit der Wirbelsäule ist eine gut ausgebildete Bauchmuskulatur von Vorteil. Um überflüssigen Trainingsaufwand oder Verletzungen zu vermeiden, lohnt es sich, einen kleinen Blick in die Anatomie der Bauchwand zu werfen.

Die Bauchmuskulatur hat die Aufgabe, als Gegenspieler der Rückenmuskulatur die Balance des aufrechten Standes und Ganges zu ermöglichen. Zu diesem Zweck spannt sie sich von den Rippen bis zum vorderen Beckenkamm und seitlich teilweise bis hinten an die Wirbelsäule.

Blick durch die Bauchwand, von außen nach innen

Stellen wir uns eine Präparation der Bauchwand vor, wie sie ein Chirurg jeden Tag bei Bauchoperationen vornehmen muss: Von außen nach innen durchquert er dabei zunächst die Haut und das Unterhautfettgewebe. Je nach Konstitution ist letzteres mal mehr und mal weniger Arbeit…

Darunter kommen dann sogenannte Faszien, also innere Häute, die die Muskeln umschließen und ein reibungsloses Gleiten der verschiedenen Muskelschichten gewährleisten.


Der „Sixpack“-Muskel

In der Mitte des Bauches kommt dann der bekannte Musculus rectus abdominis, der rechts und links der Mittellinie von oben nach unten den Rippenbogen mit dem vorderen Beckenkamm verbindet und damit die optimale Position hat, um diese beiden Knochenstrukturen näher aneinander zu ziehen. Beim Aufstehen aus dem Liegen benötigen wir diese Funktion, durch Sit-ups können wir sie trainieren. Der Rektusmuskel ist aus mehreren „Bäuchen“ aufgebaut, die jeweils durch quer verlaufende Sehnenplatten getrennt sind. Eigentlich gibt es davon auf jeder Seite fünf, da man aber den obersten und untersten bei den meisten Menschen von außen durch die Haut nicht sehen kann, bleiben noch drei, beziehungsweise auf beiden Seiten sechs davon übrig: Der sogenannte „Sixpack“, der sich mit intensivem Training durch die Haut hindurch definiert.

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Die Mitte des Bauches ist damit schon abgearbeitet – schnitte man weiter nach innen, wäre man bereits am Bauchfell und dann in der Bauchhöhle. Seitlich des Rektus hingegen verlaufen weitere Muskelschichten. Die äußeren Bauchmuskeln sind vor allem für die Rumpfdrehung von Bedeutung, sind aber genauso wichtig für die Gesamtstabilität der Bauchwand und dafür, dass die inneren Organe dort bleiben, wo sie sein sollen.


Äußere Bauchmuskeln

Zur äußeren Bauchmuskulatur gehören, von außen nach innen, ein Musculus obliquus externus abdominis, ein M. obliquus internus und ein M. transversus abdominis, also zwei schräge und ein querer Bauchmuskel. Sie kommen von den Rippen, der Wirbelsäule und dem hinteren und seitlichen Beckenkamm und strahlen mittig in eine gemeinsame Sehnenplatte ein, welche den Rektusmuskel umschließt. Anteile des inneren Schrägmuskels beteiligen sich zudem am Samenstrang und sorgen als Musculus cremaster dafür, dass bei Kälte der männliche Hoden nach oben gezogen wird, dorthin, wo es wärmer ist…

Ein perfektes Konstrukt der Natur

Die Bauchmuskulatur ist somit ein geschicktes Konstrukt, mit dem die Bauchwand kreuz und quer verspannt wird, um innere Organe am Platz zu halten und Bewegungen des Rumpfes zu ermöglichen. Bei vielen Menschen ist diese Muskulatur zu schwach, was zu einem sichtbaren „Heraushängen“ des inneren Fettgewebes führt und gleichzeitig ein „Durchhängen“ der Lendenwirbelsäule ermöglicht. Dies begünstigt auf Dauer ein Hohlkreuz und führt bei sehr vielen Menschen zu chronischen Rückenschmerzen und Schädigungen der Bandscheiben. Eine gesunde und funktionale Bauchmuskulatur ist also von unbedingter Bedeutung für unsere Gesundheit im jungen wie im höheren Alter…