Was sind Schwebstoffe?

Der Name ist Programm und verrät es eigentlich schon ganz gut: Da schweben Stoffe langsam in der Luft, im Wasser oder auch in einem ganz anderen Medium, vielleicht auf dem Mond Titan, und unterliegen scheinbar nicht der allgegenwärtigen Gravitation, denn sie werden in der mehr oder weniger ausgeprägten Strömung eines umgebenden Mediums quasi schwerelos getragen. Das funktioniert in aller Regel mit sehr kleinen, leichten Partikeln, die aber dennoch eine relativ große Oberfläche aufweisen. Ein Meteorit gehört also sicher nicht zu den Schwebstoffen, der Samen einer Pusteblume vielleicht schon eher.


Die Wissenschaftler sprechen in diesem Zusammenhang auch gern von suspendierten Stoffen, das können z.B. organische oder mineralische Feststoffe im Wasser sein, deren Dichte in etwa der Dichte des Wassers (1 g pro Kubikzentimeter) entspricht. Wichtig ist hierbei der Unterschied zu den „gelösten“ Stoffen wie z.B. Salze, deren Molekül sich im Wasser in geladene Ionen aufteilt, weil sich die Wasserdipole einfach zwischen die Anionen und Kationen „drängeln“.

Und noch ein Unterschied ist hier bemerkenswert. Betroffen sind die sogenannten Geschiebe oder Schwimmstoffe. Hierbei handelt es sich um Partikel, die sozusagen auf der Wasseroberfläche schwimmen, wie z.B. Samen.

Die Gruppen der Schwebstoffe

  1. Aerosolpartikel
    in der Luft, dazu gehören auch Stäube mit unterschiedlicher Verteilung der Durchmesser der Teilchen, die die Verweildauer in der Luft wesentlich mitbestimmen, zum Teil gehören auch Nebel (feinste Tröpfchen) dazu.
  2. Sedimentbildner
    führen (in der Geologie) zu den bekannten Ablagerungen wie z.B. Lehm, Ton, Schlamm, Schluff usw. Stäube aus Vulkanausbrüchen, die weit in die Stratosphäre hochgetragen werden und sich über eine gesamte Hemisphäre verteilen, können sowohl der Kategorie 1 als auch der Kategorie 2 zugerechnet werden.
  3. Schwebstoffe in Abwässern oder Flüssen
    sind Sedimentbestandteile oder z.B. auch kleine Schlammflocken, die im Rahmen der Abwasserreinigung in den Filtern und Absetzbecken von Kläranlagen zurückgehalten werden. Andere Methoden der Schwebstoffentfernung sind die Flotation oder die chemische Fällung.

Messmethoden

Durch eine Probennahme kann der Gehalt bzw. die Dichte der Schwebstoffe bestimmt werden. Auch das elektrostatische Abscheiden von Schwebstoffen oder die Rückstandsbestimmung in einem Filter sind gängige Messmethoden. Darüber hinaus kann durch die Bestimmung der Eintrübung durch Streulicht- und Durchlichtmessungen ebenfalls der Gehalt an Schwebstoffen festgestellt werden. Auch akustische Messverfahren können in diesem Zusammenhang erfolgreich angewendet werden.


Aspekte zur Hydrologie und Größe der Schwebstoffe

Der Amazonas, der Mekong, der Ganges oder der Nil zeigen es täglich eindrucksvoll, wie große Schwebstofffrachten transportiert und sogar noch weit vor den Küsten im Bereich des Kontinentalsockels abgelagert werden. Abhängig von den Gesteinsarten auf dem Weg zum Flussdelta, können die Flüsse (ggf. abschnittsweise) typische Färbungen durch ihre Schwebstoffe annehmen. Die sogenannte „Schwebstoffbelastung“ wird hier als Trockengewicht pro Volumen ausgedrückt und die „Schwebstoffführung“ wird in Masse pro Zeiteinheit gemessen, wobei die „Schwebstofffracht“ die transportierte Masse bezogen auf eine bestimmte Zeiteinheit bedeutet. Die Durchmesser der einzelnen Schwebstoffpartikel liegen in der Hydrogeologie in der Regel zwischen 0,2 und 0,7 mm.

Schwebstoffe im Blut

Zu hohe Blutfettwerte sind sehr gefährlich, weil es dann im Blutstrom zur Ausflockung von Cholesterin kommen kann. Diese „Fettflocken“ können dann einen Pfropfen bilden, der eine Arterie ggf. ganz verschließt. Die Folgen sind dann z.B. der Herzinfarkt oder der Schlaganfall. Auch geronnene Blutteilchen in den Adern können als Schwebstoffe aufgefasst werden. Sie sind für Thrombosen verantwortlich.