Was ist ein H2-Atemtest?

Der H2-Atemtest wird bei Verdacht auf eine Fruktose- oder eine Laktoseintoleranz durchgeführt. Symptome wie chronischer Durchfall, ständig wiederkehrende Bauchschmerzen und andere Beschwerden im Bauchbereich können auf eine solche Intoleranz hinweisen und sind deshalb eine Indikation für den H2-Atemtest.

Das Testprinzip

Beim Test wird die Konzentration von Wasserstoff (H2) in der Atemluft gemessen. Wasserstoff befindet sich beim gesunden Menschen nur in sehr geringer Konzentration in der Atemluft. Der Stoff entsteht ausschließlich durch die bakterielle Zersetzung verschiedener Substanzen im Darm. Die Konzentration des Wasserstoffs beim H2-Atemtest ist abhängig davon, wie viele Kohlenhydrate vom Dünndarm in den Dickdarm gelangen.


Normalerweise werden Kohlenhydrate im Dünndarm von der Dünndarmschleimhaut resorbiert. Nur wenige unverdaute Kohlenhydrate gelangen noch in den Dickdarm. Bei einer Intoleranz kann die jeweilige Substanz jedoch nicht verdaut und von der Dünndarmschleimhaut aufgenommen werden. Die Laktose oder die Fruktose gelangt also unverarbeitet in den Dickdarm. Dort zersetzen die ansässigen Bakterien die Stoffe. Dabei entsteht Wasserstoff.
Bei einer Laktose- oder Fruktoseintoleranz kommt es somit etwa eine Stunde nach Verabreichung der Testsubstanz zu einem H2-Anstieg in der Atemluft.

Die Durchführung des H2-Atemtests

Zunächst wird am nüchternen Patienten ein sogenannter Basalwert gemessen. Dafür atmet der Patient maximal ein und atmet maximal in ein kleines Handgerät zur Messung der Ausatemluft aus. Bei Nüchternheit sollte der gemessene Wert bei fast 0 parts per million (ppm) liegen. Danach wird dem Patienten ein Glas Wasser gereicht, in dem Kohlenhydrate gelöst sind. Die Dosierung ist je nach Verdachtsdiagnose unterschiedlich:

  • 25 Gramm Fruktose
  • 25 Gramm Laktose
  • 40 bis 70 Gramm Glucose
  • 5 bis 8 Gramm Sorbit

Alle zehn bis dreißig Minuten wird nun die Wasserstoffkonzentration in der Ausatemluft bestimmt. Parallel dazu wird auf mögliche Symptome einer Intoleranz wie Blähungen, Krämpfe, Schmerzen oder Durchfall geachtet.


In Ergänzung zu dem H2-Atemtest sollte der Arzt nach Möglichkeit über eine Blutuntersuchung weitere relevante Werte bestimmen. Insbesondere beim Lactose-Atemtest ist eine Blutzuckermessung empfehlenswert. Bei einer Verdauungsstörung kann der Zucker der Testlösung nicht aufgenommen werden. Der Blutzuckerspiegel bleibt somit konstant.

Die Testvorbereitung

Damit der Tests valide Ergebnisse liefert, müssen einige Vorkehrungen getroffen werden.

  • Vor dem H2-Atemtest dürfen die Patienten 14 Stunden nicht mehr essen. Es darf nur reines Leitungswasser getrunken werden.
  • Bereits einen Tag vor der Messung dürfen keine schwer verdaulichen Speisen gegessen werden.
  • Mundbakterien produzieren ebenfalls Wasserstoff und können das Ergebnis verfälschen. Deshalb müssen die Patienten vor dem Test gründlich die Zähne putzen. Empfehlenswert ist eine Sorbit-freie Zahnpasta.
  • Während des Tests muss jede körperliche Anstrengung vermieden werden.
  • Vor dem Test darf nicht geraucht werden.
  • Der Test darf nicht kurz nach der Einnahme von Antibiotika oder nach einer Darmspülung durchgeführt werden.

Die Aussagekraft des Tests

Der H2-Atemtest ist in der Regel sehr aussagekräftig. Die Ausnahme bilden Personen, bei denen die Dickdarmflora viele Bakterien beherbergt, die Methan produzieren. Diese Bakterien können den entstehenden Wasserstoff direkt zu Methan umwandeln. So zeigt sich trotz einer Intoleranz keine Wasserstofferhöhung in der Ausatemluft. Personen mit einer Methan bildenden Darmflora werden deshalb auch als Non-Responder bezeichnet. Rund fünf bis zehn Prozent der Bevölkerung sind Non-Responder.