Was sind Antivitamine?

Die Vorsilbe „anti“ lässt schon vermuten, dass hier die Rede von den Gegenspielern der Vitamine ist, es geht sozusagen um Vitaminantagonisten. In der Konsequenz führt ein starker Konsum von Antivitaminen logischerweise zu Vitaminmangelsymptomen. Falsche und ungesunde oder auch sehr einseitige Ernährung sind solche Beispiele für die aktive Begünstigung von Antivitaminen. Dabei sind die Wirkungsmechanismen der verschiedenen Vitaminantagonisten entsprechend unterschiedlich. Um diese Zusammenhänge besser zu verstehen, werden in der Vitaminforschung sehr bewusst bestimmte Vitaminmangelzuständen künstlich provoziert. Einige zusammenfassende Ergebnisse daraus sollen hier kurz aufgezeigt werden:

Beispiele zur Hemmung der Vitaminsynthese

  • Acidomycin ist ein Antibiotikum. Es blockiert die Biotinsynthese von Tuberkelbazillen (Mykobakterien).
  • In verdorbenem Süßklee entsteht Dicumarol. Dieser Stoff beeinflusst den Vitamin-K-Stoffwechsel entscheidend durch die Hemmung der Vitamin-K-Reduktasen, was eine ausreichende Synthese der Gerinnungsfaktoren verhindert.
  • Ebenfalls wird die Vitamin-K-Reduktase verhindert durch Lapachol. Dieser Stoff befindet sich in der Rinde des Lapachobaumes (Südamerika) und in den Samen mehrerer tropischer Pflanzen.


Was die Aufnahme von Vitaminen im Darm einschränken kann

  • Übermäßiger Alkoholkonsum hemmt die Vitamin-B1-Resorption im Darm. Damit einhergehend kann das Vitamin auch nicht in ausreichender Menge in der Leber gespeichert werden.
  • Ebenfalls durch Alkoholmissbrauch kommt es im Körper zu einem Defizit am Spurenelement Zink. Dadurch bedingt ist die alkalische Phosphatase gestört, und in der Folge kann das Vitamin B6 nicht richtig aufgenommen werden (Pyridoxalphosphatresorption).

Bei Stoffwechselstörungen können sich manche Vitamine nicht entfalten

Die folgenden Beispiele sind im Einzelnen vielleicht nicht so eingehend zu verstehen. Die Aussage geht in die Richtung, dass es Stoffe und sogar ganze Stoffgruppen gibt, die die gute Wirkung von Vitaminen vollständig vernichten können. Wer sich etwa jeden Tag nur einseitig von Currywust mit Pommes ernährt, führt auf Dauer seinem Körper genau solche Vitaminkiller zu.

  • Sogenannte Hydrazinderivate binden sich chemisch an das Vitamin B6, und es entstehen dabei Pyridoxalhydrazonen. In der Folge kann die notwendige Phosphorylierung des Vitamins B6 nicht ausreichend erfolgen. In dieser Hinsicht kritisch sind etwa Linatin (geringfügig in Leinsamen enthalten), Phenylhydrazin (Bestandteil im Frühjahrslorchel) oder Agaritin (in Zuchtchampignons enthalten).
  • Aus Canalin können sogenannte Oxime gebildet werden, die wiederum die Pyridoxalphosphatkinase blockieren. Dadurch wird das Vitamin B6 nicht aktiviert.
  • Cycloserin ist ein Antibiotikum, oft eingesetzt bei der Behandlung einer Tuberkulose. Auch dieses Medikament bildet in Verbindung mit Pyridoxalphosphat jene schädlichen Oxime.
  • Acetaldehyd entsteht in der Leber, während das Organ Alkohol abbaut. Es blockiert die Synthese von Vitamin B1.

Als effiziente Biotinantagonisten gelten diese Stoffe:
Norbiotin, Homobiotin, Dehydrobiotin, Desthiobiotin und Biotinsulfon.


Viele Umweltschadstoffe, Medikamente und sogar auch Lebensmittel stellen Antivitamine dar, allerdings erst ab einer gewissen Dosis. Eine kleine Orientierungshilfe sei dazu noch die folgende Zusammenstellung:

  • Vitamin B1
    befindet sich in Tee, Kaffee, Betelnüssen, Bohnen, Shrimps, Alkohol und Heidelbeeren.
  • Als Antivitamine von Vitamin B6 gelten: Alkohol, Hydrazin und Linatin.
  • Biotin ist in Eiklar, Mais und Hirse enthalten. Seine „Gegenspieler“ sind: Avidin und Niacin.
  • Die Antagonisten von Vitamin K sind: Dicumarol, Vitamin A und Vitamin E.

Es wäre sicher falsch, diese kleine Liste dahin gehend zu interpretieren, auf die Vitamine A und E zugunsten von Vitamin K ganz zu verzichten und viel Alkohol zu trinken, um damit Vitamin B1 synthetisieren zu können. Es gibt in der Tat Momente im Leben, da sollte man Wissenschaftler und ihre Studien nicht zu ernst nehmen.